Hallo Krimifan,
schön, dass du dich zu mir und meinen Geschichten traust.
Du hast Mut!
Als Anerkennung schenke ich dir eine kleine Short-Crime-Story.
Und wenn sie dir gefallen hat, freue ich mich über eine kurze E-Mail von dir an:
carola.meisner.isbach@gmail.com
Jetzt viel Spaß und Nervenkitzel!
Deine Carola
Eine wahnsinnige Einladung
Endlich war es so weit! Zwei Wochen Urlaub. Die letzten acht Monate waren kräftezehrend gewesen. Wegen der Covid-19-Pandemie war es Sabine nicht möglich, in den Urlaub zu fliegen, noch ihre Schwester Jess und deren Kinder zu besuchen. Sie hatte Sabine so oft eingeladen, und immer kam etwas dazwischen. Jess wohnte abgeschieden in einem kleinen Haus, mitten in einer Idylle am See.
Ihr Handy klingelte. Sie lächelte, als sie sich meldete. Jess war genauso ungeduldig wie sie.
„Ich kann es kaum erwarten, bis du hier bist. Wann fährst du los?“, fragte Jess.
„Die Koffer sind schon gepackt und der Whisky wartet im Auto.“
„Das werden feuchtfröhliche Abende.“
„Ja, aber es tut gut nach dieser gesellschaftlichen Abstinenz“, lachte Sabine. „Ich werde bis 20 Uhr bei euch sein.“
„Fahr vorsichtig! Nicht, dass dir etwas passiert.“
Jess’ Stimme hatte einen seltsamen Nachklang. Die vergangenen Monate waren mit drei Kindern für sie kein Zuckerschlecken gewesen. Ihre einzigen Gesprächspartner waren die Sprösslinge und seltene Telefonate.
Im Radio erklang ihr Lieblingslied, und freudig sang Sabine mit. Sie fuhr schneller, als Jess ihr erlauben würde. Pünktlich bog sie in die einsame Straße ein.
Normalerweise saß Jess wartend auf der Veranda – diesmal nicht.
Sie wird die Kinder ins Bett bringen, tröstete sich Sabine.
Beladen mit den Koffern schritt sie den Vorbau hoch. Sie blickte in das Fenster neben der Eingangstür. Alles war dunkel. War einem der Kinder etwas passiert? Ihr Herz begann zu rasen. Suchend schaute sie sich nach einer Notiz um – nichts. Die Angst schlängelte sich in ihr hoch, wie eine giftige Schlange.
Sie klingelte – keine Reaktion. Sie läutete nochmals – wieder nichts. Ihr Atem ging keuchend.
Fest mit der Faust schlug sie an die Tür, die wie von Geisterhand aufsprang.
Ihr Blick fiel in den finsteren Flur.
„Jess?“, brachte sie krächzend hervor. Ihre Stimme verhallte.
„Jess, ich bin da!“
Sie schaltete das Licht an.
Entsetzt riss sie die Augen auf. Ein Stich fuhr ihr durchs Herz. Ihr Schrei erstarb in der Kehle.
Eine breite Blutspur führte ins Kinderzimmer. Kleine blutige Handabdrücke zierten die Wände.
„Da bist du ja! Die Kinder schlafen schon – seit gestern!“
Der Wahnsinn schaute Sabine aus Jess’ Augen an.
@2021_Carola Meisner-Isbach
© Carola Meisner-Isbach
Design und Umsetzung
C. Meisner-Isbach - Canva
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